Freitag, 13. August 2010

Tag 44 - Yad Vashem

Der Tag begann wieder um 4:30 Uhr mit dem Kanonenschuss der Muslime - wir konnten noch länger schlafen. In Teil 3 der Andachtsreihe zum Ramadan wurde heute für die armenischen Muslime gebetet. Danach folgten wir der Einladung an den reich gedeckten Frühstückstisch. Da am Abend der Sabbat begann und freitags die Museen deshalb früher schließen, beeilten wir uns nach Yad Vashem zu kommen. Es handelt sich hierbei um ein Denkmal und eine Erinnerungstätte an die Shoa (Judenverfolgung/Holocaust). In der Eingangshalle bekamen wir zwei Audio-Guides, die uns sehr ausführlich Informationen zur Ausstellung im Historischen Museum vermittelten. Ziemlich eindrücklich beschrieben Bilder, Texttafeln, Videos und Originalexponate die Geschehnisse der damaligen Zeit in Deutschland, den Ghettos und den KZs. Leider war es in der riesigen Betonhalle wieder einmal viel zu kalt, sodass wir uns anschließend draußen an der Sonne aufwärmen mussten. Das riesige Gelände auf dem Hügel des Gedenkens umfasst auch eine Kindergedänkstätte, eine "Halle der Namen" (Archiv der KZ-Opfer) und die berühmte "Hall of Remembrance". Durch Letztere führt eine Empore, die den Besucher die Namen der Konzentrationslager auf dem Fußboden sehen lässt und an die dortigen Geschehnisse erinnern soll. Nach diesen besonderen Stunden, fuhr uns Buslinie 20 zurück zum Jaffa-Tor - vorbei an einer sehr langen, futuristisch anmutenden Brücke, die aufgrund eines staatischen Fehlers nun doch nicht, wie geplant für die Straßenbahn, sondern nur als Fußgängerbrücke genutzt werden darf. Weil die letzte Nacht nicht gerade lang war, hatten wir nach einer Falafel etwas Schlaf nachzuholen. Um 16:00 Uhr waren wir zur freitäglichen Franziskaner-Prozession durch die Via Dolorosa wieder fit. Eine große Menschenmenge zog vom Stephanustor direkt an unserem Haus vorbei zur Grabeskirche. Die Mönche gingen vorbetend voraus und die Pilger hinter. Vor Sonnenuntergang wollten wir die Einkäufe für die Sabbatzeit unter Dach und Fach bringen. Im Supermarkt der Straße bekamen wir noch Pita und Wasser, doch als es langsam Abend wurde, füllten sich die Straßen. Um noch an gutes Obst zu kommen, mussten wir in eine andere Querstraße. Diese war jedoch so voll, dass es ohne Ellenbogeneinsatz kein Durchkommen gegeben hätte - man muss sich das vorstellen, wie wenn es im ALDI etwas umsonst geben würde. Als die Trauben und Backwaren eingetütet waren, mussten wir einen anderen Heimweg wählen - gegen den Strom schwimmen wäre hier (mit Flip-Flops, auf die andauernd draufgetreten wird) unmöglich gewesen. An den Ramadanabenden kaufen die Muslime Essen in rauen Mengen, dass sie nach Sonnenuntergang und einem langen Fastentag mit der ganzen Familie verzehren. Wer mit Hunger einkauft kauft meist zu viel! Bei uns gab es Sesamzopf und Humus zu Abend - ein Genuss für Gaumen und Geldbeutel! Mit einem Tee, Lektüre, feinsten Trauben und Muezin-Geschrei, geht auch dieser Tag zu Ende.

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